Am 3. September 2012 war die 11 E im Landeshaus. Neben dem Besuch der "Anne-Frank-Ausstellung" hatte Frau Putzer eine Kurzlesung und Schreibwerkstatt mit
dem Autor Lutz van Dijk buchen können. Lutz van Dijk las aus seinem Buch „Die Geschichte der Juden" und berichtete von seiner Arbeit im Anne Frank Haus, Amsterdam. Der eigentliche Schwerpunkt war der Gedankenaustausch zwischen Schülerinnen und Schülern und dem Autor. Aus dem Dialog ergaben sich Impulse und Anregungen für eigene Schreibanlässe.

 

Ein Bericht von Annika Fock, 11 E: „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte"

ausstellungsbesuchDas Tagebuch der Anne Frank wurde in mehr als 70 Sprachen übersetzt und noch heute übt die Geschichte dieses jungen Mädchens in der Zeit des Nationalsozialismus eine große Anziehungskraft aus. Die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte" rückte die Lebensgeschichte Anne Franks in den Mittelpunkt. Die 11e besuchte am 3.9.12 zusammen mit Frau Putzer und Herrn Hiebner die Anne-Frank-Ausstellung im Landeshaus und wurde von der bewegenden Geschichte mitgenommen. Durch zahlreiche Fotos, Zitate und Filme wurde im historischen Teil der Ausstellung neben ihrer persönlichen Geschichte die Zeit der Weimarer Republik, der Nationalsozialismus, die Judenverfolgung und der Holocaust thematisiert.
In der Ausstellung erzählten große Bildwände in sechs Abschnitten von dem Leben der Anne Frank und ihrer Zeit: von den ersten Jahren in Frankfurt am Main und der Flucht vor den Nationalsozialisten, über die Zeit in Amsterdam – glückliche Kindheit und schwere Zeit im Versteck – bis zu den letzten schrecklichen sieben Monaten in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen. Viele private Fotos erlauben einen ganz besonderen Einblick in das Leben der Familie Frank und ihrer Freunde und Helfer.

Im heutigen Teil der Ausstellung befassten wir uns mit Gruppenzugehörigkeit. Wer z.B. spielt Handball? Und werden dadurch Gruppen gebildet, wird jemand diskriminiert nur weil er oder sie diesen Sport nicht ausübt. Dieses Schubladendenken ist für uns alle jetzt viel klarer geworden und auch, dass jeder so ist wie er ist. Die Individualität anzuerkennen ist auf jeden Fall etwas, was wir gelernt haben. Aber auch Ungerechtigkeit zu stoppen.

In der Schreibwerkstatt mit dem Berliner Lutz Van Dijk haben wir uns mit dem Thema Gerechtigkeit befasst:

Ein damals 17-Jähriger, der alleine in die USA geht, dort Busfahrer wird, später im Anne-Frank Haus arbeitet, eine Kinderstiftung in Südafrika gründet und mit fast 40 ein Buch über den Nationalsozialismus schreibt und noch viele weitere schreibt?! Für uns war die Begegnung mit Lutz Van Dijk eine tolle Erfahrung.
Mit seiner Offenheit und seinen weltweiten Erfahrungen hat er uns seine Art gezeigt, Gerechtigkeit herzustellen, aber auch Ungerechtigkeit zu empfinden. Eine Geschichte war besonders einprägsam. „Die erschummelte Arbeitserlaubnis verhalf mir im Bundesstaat Pennsylvania, zwei Autostunden von New York, zu einem Job als Busfahrer. Dort begann ich mein Schulenglisch zu erproben, die deutsche Aussprache unüberhörbar. Vor allem einige ältere Damen gehörten zu meinen Stammkunden. Die Älteste von ihnen [...] steckte mir fast täglich ein paar Münzen zu. Nach einer Woche erkundigte sie sich nach meinem Namen. Nach drei Wochen steckte sie mir eine Nummer zu und fragte, ob ich sie nicht einmal nach der Arbeit anrufen wollte. Ich tat es am selben Abend. Wir trafen uns in einem Café. [...] Nach einiger Zeit schob sie ihren linken Ärmel hoch und ließ eine fünfstellige eintätowierte Nummer sehen. „Weißt du, was das ist?", fragte sie in Deutsch ohne jeden Akzent. Ich erschrak. [...] Endlich fragte ich unsicher: „Aber hassen sie mich nicht? Ich bin doch Deutscher!" „Nein", antwortete sie, „ich habe dich treffen wollen aus einem sehr egoistischen Motiv – ich wollte so gern noch einmal meine Muttersprache benutzen mit einem jungen Deutschen, der nach allem geboren wurde." [...] Mrs. Goldblum hatte mich neugierig gemacht. Ich werde sie nie vergessen."
Nach der kurzen Lesung haben wir uns selbst mit dem Thema "Ungerechtigkeit gegenüber uns selbst" auseinandergesetzt. Zum Thema "Außenseiter" stellten wir eigene Situationen vor, diskutierten über die Beispiele. In Kleingruppen entwickelten wir anschließend schriftlich Ziele und Vorstellungen, "wie man Ungerechtigkeiten überwinden" bzw. "Gerechtigkeit herstellen kann". Lutz van Dijk lobte besonders unsere Bereitschaft, uns in dieses Thema einzubringen, eigene Vorstellungen zu entwickeln und andere zu tolerieren. Abschließend zitierte er ein afrikanisches Sprichwort: "Wenn Dir etwas Fremdes begegnet, dann öffne Deine Augen und Deine Ohren, aber halte Deinen Mund."

Für uns alle war diese Schreibwerkstatt ein unvergessliches Erlebnis.

gruppenarbeit dijk putzer gruppenbild
Diskussion mit Lutz van Dijk Der Autor mit Frau Putzer

L. van Dijk, R. Kruse, M. Kuhlemann

T. Hiebner und K. Gomolzig

Ein besonderer Dank gilt dabei dem "Friedrich-Bödecker-Kreis in Schleswig-Holstein e.V." mit seinem Engagement auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur  (weitere Infos unter: www.boedecker-kreis.de). Frau Renate Kruse als Vorsitzende hat diese Kurzlesung und Schreibwerkstatt in Zusammenarbeit mit Frau Kathrin Gomolzig und Frau Medi Kulhlemann, Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein e.V, organisieren können.

Inhalt: Annika Fock, Th. Hiebner / Fotos: Therese Dix

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